Onlineprojekt Gefallenendenkmäler

Zittau (Denkmal), Landkreis Görlitz, Sachsen

PLZ 02763

Wappen-Datei: sx_lkr-goerlitz_zittau.jpg

Denkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften vom
3. Königlich Sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 102
„König Ludwig III. von Bayern“.

Inschriften:

Vorderseite
UNSEREN GEFALLENEN 102ERN
1914 – 1918

Rückseite
1709 – 1919

Linke Seite
FÜR IHR VATERLAND
STARBEN IM WELTKRIEGE
75 OFFZ. 328 UNTEROFFZ.
2553 MANNSCHAFTEN
V. 3. KGL. SÄCHS. INF. REGT. NR.102
KÖNIG LUDWIG III. VON BAYERN
UND VIELE 102ER
IN ANDEREN FORMATIONEN

Rechte Seite
AUBONCOURT
LENHARRÉE • HURTEBISE
DENIÉCOURT-SOYÉCOURT
FOUR DE PARIS • MOISLAINS
NAUROY • HERENTHAGE
COMINES • ARMENTIÉRES
BAILLEUL • VIEUX-BERQUIN
ETRAYE

Weitere Informationen: Das Denkmal für die im 1. Weltkrieg gefallenen 2956 Angehörigen des 3. Königlich Sächsischen
Infanterie-Regimentes Nr. 102 „König Ludwig III. von Bayern“ befindet sich in der Parkanlage „Grüner Ring“ zwischen
Theaterring und Professor-Kiesow-Weg unweit der Kirche zum Heiligen Kreuz.

Nach dem Ende des 1. Weltkriegs war der Wunsch der Einwohner der Garnisonsstadt Zittau nach einer Gedenkstätte
für die Gefallenen des Infanterie-Regiments Nr. 102 verständlicherweise sehr groß. Im Jahr 1921 wurde es nach einem
Entwurf des Zittauer Architekten Richard Schiffner errichtet. Auf der Vorderseite des wuchtigen sarkophagförmigen
Steins mit aufgesetztem flügelausbreitenden Adler ist das Relief eines toten Mannes zu sehen und darüber die Inschrift
„UNSEREN GEFALLENEN 102ERN 1914 – 1918“. Als das Denkmal am 28. August 1921 im Rahmen eines dreitägigen
Festes feierlich eingeweiht wurde, war ganz Zittau auf den Beinen um am Feldgottesdienst auf der Schießwiese, am
Festumzug durch die geschmückte Innenstadt oder abends am Zapfenstreich auf dem Markt teilzunehmen. Es war ein
Großereignis zu Ehren der 102er.

Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sollte das Denkmal auf Weisung des Landesamtes für Denkmalpflege in Dresden
abgetragen werden. Mit Schreiben vom 29. November 1946 teilte das städtische Kulturamt ihm mit, dass das „102er
Denkmal am Thälmannring“ und weitere 10 Denkmale entfernt wurden. Entfernt wurden zunächst aber wohl nur die
Inschriften. Der darauf thronende Adler aus Granit soll um 1960 abgebaut worden sein und galt seitdem als verschollen.
Erst 2008 wurde er nach intensiver Suche auf dem Gelände des Holzhofes aufgefunden, so dass das Denkmal wieder
komplettiert werden konnte.

Die Stammtruppenteile des Regiments entstanden 1709 unter dem sächsischen Kurfürsten August dem Starken, der es
dem damaligen Generalmajor Friedrich Heinrich von Seckendorff als Chef unterstellte. Es erhielt zunächst die
Bezeichnung „Grenadier-Regiment von Seckendorff“. Ab 1869 war das Regiment in Zittau in der neu gebauten
Mandau-Kaserne am heutigen Martin-Wehnert-Platz untergebracht. Nach mehreren Umbenennungen trug es ab 1913
den Namen des Königs Ludwig III. von Bayern. Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde das Regiment mobilisiert
und als Teil der 5. Infanterie-Brigade im Verband der 32. Infanterie-Division an der Westfront eingesetzt. Auf der rechten
Seite des Denkmals sind die Namen von 12 Orten verewigt, in denen das Regiment in Belgien und Frankreich kämpfte.
Nach dem Kriegsende wurde es in Zittau demobilisiert und 1919 aufgelöst. Die Jahresangaben auf der Rückseite des
Denkmals 1709 – 1919 erinnern an das 210 Jahre währende Bestehen des Regiments. Darunter befindet sich eine
schmiedeeiserne Tür, die eine Öffnung verschließt und die Jahreszahl 1921 als Entstehungsdatum des Denkmals trägt.

Neufassung des Beitrags vom 26.07.2007 von Michael Nährig.

Datum der Abschrift: 05.04.2026

Verantwortlich für diesen Beitrag: Joachim Schmiedel, Dresden
Foto © 2023 Joachim Schmiedel, Dresden