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Hamburg (Dammtordamm - „76er“ Denkmal)

Kriegerdenkmal am Dammtordamm für die Gefallenen des 1. Weltkrieges des Infanterieregiment Nr. 76. Es wurde 1936 nach einem Entwurf   von Richard Kuöhl errichtet. Rechteckiger Klotz mit rundherum marschierenden Soldaten mit Stahlhelmen. Dieses Denkmal sollte gleichzeitig als Gegendenkmal zum Hamburger Ehrenmal von Ernst Barlach am Hamburger Rathausmarkt fungieren.   Dazu ein weiteres „Gegendenkmal“ [1] von Alfred Hrdlicka ohne Inschrift, sowie eine erklärende Tafel [2] zwischen altem Denkmal und Gegendenkmal. Linksseitig vom Denkmalsblock Steinwand und davorliegende Steinplatte mit Widmungen

Inschriften:

Deutschland muss leben
und wenn wir sterben müssen

Wand:
Grosstaten der Vergangenheit sind Brückenpfeiler der Zukunft. 2. Hanseatisches Inf.Regt.Nr.76.
1870-1871 Metz Toul Paris Dreux Loigny Orleans Meuny Freteval Le Mans
Inf. Regt. Hamburg 2. Hanseatisches Inf.Regt. Nr. 76
1914-1918 Lüttich Mons Marne Ourry Moolinss.T.Les Eparges Somme Arras Flandern Cambrai Grosse Schlacht Monchy-BapaumeDalenriennes
Reserve Inf. Regt. Nr. 76
1914-1918 NoyonBevoraignesSouchez Givenchy Somme La Bassee Somme Ypern Arras Flandern Kemmel Lannysur Maiz Le Caieau

Linke Seitenwand:
Zu Ehren der gefallenen
und vermissten Kameraden
1939-1945
225. Infanterie
Division

Davorliegende Platte:

Unseren gefallenen
und vermissten Kameraden
des zweiten Weltkrieges
1939-1945
Panzergrenadier Regt. 76


[1] In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts führte eine heftige Antikriegsdiskussion in Hamburg dazu, dass beschlossen wurde, ein Gegendenkmal zu dem „76er Denkmal“ zu errichten. Dieses „Mahnmal gegen den Krieg“ des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka sollte aus vier einzelnen Teilen bestehen von denen allerdings nur zwei, der „Hamburger Feuersturm“ und der „Untergang der KZ-Häftlinge“ realisiert wurden. Die nicht fertiggestellten Teile hatten die Themen „Soldatentod“ und „Frauenbild im Faschismus“. Das Hrdlicka-Denkmal trägt keine Inschrift.

Eine erklärende Tafel zwischen altem Denkmal und Gegendenkmal hat folgenden Text:

„76er – Kriegerdenkmal, Richard Kuöhl, 1936.
Mahnmal gegen den Krieg, Alfred Hrdlicka, 1985/86.

Nach dem ersten Weltkrieg entschied der Senat, dass in Hamburg keine `Heldengedenkstätte`, sondern ein zentrales Mahnmal für die Gefallenen des Krieges errichtet werden sollte. Direkt am Rathausmarkt wurde 1931eine hohe Stele mit der Darstellung einer trauernden Mutter mit Kind von Ernst Barlach aufgestellt. Die Inschrift lautet `Vierzigtausend Söhne der Stadt ließen ihr Leben für euch`. Dieses Mahnmal genügte nationalistischen Kreisen jedoch nicht. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde 1934 ein Wettbewerb für ein Denkmal für das Hamburger Infanterieregiment 76 ausgeschrieben. Teilnehmer sollten `reichsdeutsche arische Architekten und Bildhauer` sein. Der NS-Senat genehmigte den Entwurf eines Denkmalblocks von Richard Kuöhl. Die umlaufende Darstellung, Soldaten in Marschuniform sowie die Inschriften `Deutschland muss leben, und wenn wir sterben müssen` und `Großtaten der Vergangenheit sind Brückenpfeiler der Zukunft`, zeigen die kriegsvorbereitende NS-Propaganda. Am 15. März 1936 wurde das Denkmal mit einer Militärparade eingeweiht. Fälschlich als Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedeutet, erhielt es 1957 eine zusätzliche Tafel zur Erinnerung an Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Nach 1945 wurde immer wieder die Zerstörung des Denkmals mit der Begründung gefordert, es verherrliche Militarismus und Heldentod. Der Senat entschied, das Denkmal als Zeugnis der Geschichte am Ort zu belassen, es jedoch zu kommentieren. Auf Empfehlung der Hamburger Kunstkommission wurde der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka beauftragt, `den Platz so umzugestalten, dass aus einer Kriegsverherrlichung ein Mahnmal gegen den Krieg wird`. Hrdlickas Entwurf kontrastierte den massigen Block des 76er Denkmals mit einem zerbrochenen Hakenkreuz, das den Grundriss für eine offene Anlage aus vier einzelnen Denkmalteilen bilden sollte. Die Teile sollten aufeinander folgend jeweils nach Entstehung aufgestellt werden und den Zweiten Weltkrieg thematisieren: `Hamburger Feuersturm`, `Verfolgung und Widerstand`, `Soldatentod` und `Frauenbild und Faschismus`. Zum vierzigsten Jahrestag des Kriegsendes am 8. Mai 1985 wurde der `Hamburger Feuersturm`, am 29. September 1986 die Skulptur „Untergang von KZ Häftlingen` errichtet. Nur diese beiden Teile wurden realisiert.“

Datum der Abschrift: Juni 2006, Ergänzung 01.03.2013

Beitrag von: Olof von Randow, Ergänzung R. Krukenberg (Inschriften und Seitenflügel)
Foto © 2006 Olof von Randow, Ergänzung 2013 R. Krukenberg

 

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