Onlineprojekt Gefallenendenkmäler - von Ahnenforschern für AhnenforscherOnlineprojekt Gefallenendenkmäler - von Ahnenforschern für AhnenforscherOnlineprojekt Gefallenendenkmäler - von Ahnenforschern für Ahnenforscher




Totenzettel









Onlineprojekt Gefallenendenkmäler - von Ahnenforschern für Ahnenforscher

 

 


 

 

Die Sendlinger Bauernschlacht:

Auslöser für die Ereignisse der Jahre 1705 und 1706 in Bayern war der spanische Erbfolgekrieg, in dem Bayern zusammen mit Frankreich gegen das heilige römische Reich deutscher Nation  und dessen Verbündeten England kämpfte.  Nachdem Bayern und Frankreich die Schlacht von Höchstädt verloren hatten, mußte der bayerische Kurfürst Max Emmanuel fliehen und die Reichstruppen unter Prinz Eugen von Savoyen besetzten das Herzogtum Bayern.  Nachdem sich der spanische Erbfolgekrieg nun verstärkt nach Italien verlagerte, sollte das Besatzungsgebiet Bayern für Nachschub an Menschen und Material sorgen. Die Soldaten der kaiserlichen Administrationen gingen bei der Rekrutierung und dem Eintreiben von Versorgungsleistungen äußerst brutal vor, worunter vor allem die Landbevölkerung zu leiden hatte.  Als Konsequenz kam es zu ersten Aufständen der Bauern in der Oberpfalz, in Niederbayern und in der Gegend um Tölz, die bereits die Losung für die folgenden Revolten prägten: „Lieber bayerisch sterben, als kaiserlich verderb'n“. Trotz des Einschreitens der kaiserlichen Truppen breiteten sich die Aufstände in Nieder- und Ostbayern - im so genannten "Unterland" und in der Oberpfalz schnell aus.  Zunächst wurde Burghausen belagert, das sich am 16. Dezember 1705 den Aufständischen ergab, genauso wie kurz darauf Braunau.  Diese beiden Städte werden schnell zu den militärischen und politischen Zentren der Aufstandsbewegung. Hier entsteht auch das erste rein demokratische Gebilde des neuzeitlichen Europa, die sog. "Gmein der Bürger und Bauern". 

Nach diesen beiden Niederlagen versuchten die kaiserlichen Besatzer in Waffenstillstandsverhandlungen mit den Aufständischen zu treten, die eine Delegation unter Freiherr Franz Bernhard von PRIELMAYR nach München entsandten. Währenddessen eroberten die Aufständischen die Städte Schärding und Kehlheim.  Bei den inzwischen im Münchener Vorort Anzing stattfindenden Verhandlungen wurde ein zehntägiger Waffenstillstand beschlossen.  Die Zeit des Waffenstillstands nutzten die Aufständischen, im Besonderen Matthias Ägidius FUCHS und Georg Sebastian PLINGANSER, um einen Plan auszuarbeiten, der die Vertreibung der kaiserlichen Besatzungsmacht aus München zum Ziel hatte.  Die kaiserlichen Soldaten sollten im Norden Bayerns durch Aufstände gebunden werden, um sie so im Südosten umgehen zu können.  Es sollte dann ein Sternmarsch auf München stattfinden.  Zeitgleich sollte die ehemalige Münchener Bürgerwehr die Revolutionäre innerhalb der Stadtmauer unterstützen.  Man beschloß, sich nicht an den Waffenstillstand zu halten und mit der Aktion so schnell wie möglich zu beginnen. 

Die Münchener Verschwörer unter der Führung von Johannes JÄGER begannen umgehend mit den Vorbereitungen.  Fuchs mobilisierte die Aufständischen im so genannten Oberland.  Am 19. Dezember rief Fuchs von Tölz aus (Tölzer Patent) alle Oberländer dazu auf sich zu bewaffnen und sich bis zum 22. Dezember im Kloster Schäftlarn zu versammeln.  In diesem Tölzer Patent wurde behauptet, daß die kurfürstlichen Prinzen, die noch in München lebten, nach Österreich entführt werden sollten, was Fuchs durch ein gefälschtes Schreiben zu belegen versuchte.  Zudem behauptete er, der Kurfürst Max Emmanuel würde den Aufstand mittragen und so bald als möglich zu den Revolutionären stoßen.  Das Tölzer Patent diente vor allem dazu patriotische Gefühle anzusprechen und eventuelle Legitimitätsbedenken auszuräumen.  Am 21. Dezember 1705 fanden sich tatsächlich insgesamt 2.769 Mann Fußvolk und etwa 300 Reiter im Kloster Schäftlarn ein.  Jedoch waren die Aufständischen völlig unzureichend bewaffnet.  Auch in München liefen die letzten Vorbereitungen.  Raketensignale sollten den Aufständischen außerhalb der Stadtmauern die Bereitschaft der Münchener anzeigen.  Doch nun kam es zu den ersten Problemen: Der Verbindungsmann zwischen Ober- und Unterland, der Anzinger Postmeister Franz Kaspar HIERHER erschien nicht zum vereinbarten Treffpunkt in München, die Verbindung zum Unterland war also abgebrochen.  Zudem mußte sich der Anführer der Münchener Aufständischen, Jäger, der in München bereits durch die kaiserliche Administration überwacht wurde, zu den Oberländern absetzen. 

Am 24. Dezember gegen Mittag begaben sich die Aufständischen trotz dieser schlechten Vorzeichen auf ihren Marsch in Richtung München. In Solln erhielten sie die nächste schlechte Nachricht: Die Münchener Verbündeten konnten die geplanten Aktionen nicht mehr wie besprochen durchführen.  Die kaiserlichen Besatzer hatten sich verstärkt und Soldaten patrouillierten in der Stadt.  Rückzugsgedanken wurden jedoch unterdrückt und man beschloß, weiter auf München zuzumarschieren.  Gegen Mitternacht erreichte der Troß der Oberländer den Ort Sendling, wo man im örtlichen Wirtshaus Stellung bezog.  Die Unterländer standen währenddessen mit etwa 16.000 Mann in der Nähe von Ebersberg, wo sie von kaiserlichen Truppen an einem Weitermarsch gehindert wurden.  Die kaiserlichen Besatzer wurden durch Verrat des Starnbergers Oettlinger über die geplante Aktion der Revolutionäre aufgeklärt.  Die Oberländer teilten ihren Troß nun in drei Gruppen: Leicht- und Unbewaffnete sollten in Sendling bleiben, die anderen beiden Gruppen sollten sich vor dem Angertor und Rotem Turm postieren.  Die Münchener Verbündeten sollten die Stadttore um 1 Uhr öffnen, was aber nicht geschah, weshalb der Rote Turm gewaltsam erobert wurde, doch scheiterten die Aufständischen am dahinterliegenden Isartor.  Sie wurden sogar wieder hinter den Roten Turm zurückgedrängt, wo sie sich verbarrikadierten.  Im Morgengrauen wurden die Revolutionäre auch von Osten her durch kaiserliche Truppen angegriffen und aufgerieben.  Einige konnten sich noch bis Sendling durchschlagen wo sie sich erneut verbarrikadierten.  Kurz darauf nahmen auch hier die kaiserlichen Truppen Aufstellung.  Die aufständischen Oberländer ergaben sich in aussichtsloser Situation der Übermacht und legten ihre Waffen nieder. Die kaiserlichen Offiziere gewährten zwar zunächst Pardon, ließen die Revolutionäre dann aber doch noch an Ort und Stelle niedermetzeln.  Am Tag dieses als Sendlinger Mordweihnacht in die Geschichte eingegangenen Ereignisses wurden zwischen 1000 und 3000 Bayern, aber lediglich 40 kaiserliche Soldaten, getötet.  Den wenigsten der Aufständischen gelang die Flucht.  Nach dem Massaker sammelten die kaiserlichen Soldaten die etwa 500 bayerischen Verwundeten ein und brachten sie nach München, wo sie vor das Jesuitenkolleg (Michaelskirche) geworfen wurden. Um die Verwundeten durfte sich auf Befehl der Administration drei Tage niemand kümmern um so weitere Revolutionsgedanken im Keim zu ersticken.  Die Anführer der Revolution der Oberländer wurden hingerichtet.  Auch die Unterländer wurden nur wenig später, am 8. Januar 1706, bei dem Massaker am Handlberg bei Aidenbach in Niederbayern aufgerieben.  Der bayerische Widerstand gegen die Besatzer brach damit endgültig zusammen. Innerhalb von nur drei Wochen gab es auf bayerischer Seite knapp 10.000 Opfer zu verzeichnen.

 

Fragen und Kommentare zu dieser Webseite bitte an:  webmaster@denkmalprojekt.org.
Copyright © 2003-2007 Thilo C. Agthe.  All rights reserved. Alle Rechte vorbehalten