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Totenzettel









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Hohenlockstedt (Ehrenhain), Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein:

Im Ehrenhain an der Finnischen Allee findet sich:

1. Ehrenmal für die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges, achtseitig aus Sandstein auf gestuftem Sockel, auf der Spitze die Plastik eines Stahlhelmes auf Eichenlaubkranz. Inschrift auf der ersten Seite: „Zur Ehre der Helden von Lockstedter Lager 1914-1918“. 7 weitere Seiten mit 31 Namen in nicht erkennbarer Ordnung.  Im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ von 1926 werden aus Lockstedt weitere 6 Namen aufgeführt.

2. Ein Findling mit der Inschrift: „Die 238.Inf.Div. zog im April 1917 mit den IR.463, 464, 465 und FAR.62 aus dem Lockstedter Lager ins Feld. – Ewig lebt der Toten Tatenruhm“

3. Das Ehrenmal für die Finnischen Jäger.  Inschriften: „Zur Befreiung des Vaterlandes erhob sich Finnlands Jugend zu Beginn des Weltkrieges und ging in die Fremde um dort das Waffenhandwerk zu erlernen“.  „Zum Andenken an das Königl. Preussische Jägerbataillon 27, das 1915-16 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet wurde und 1916-17 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen Truppen kämpfte um dann entscheidend an dem finnischen Befreiungskrieg teilzunehmen errichtete dieses Denkmal / ITSENÄISYYDEN LIITTO (etwa: Unabhängigkeits-Verband) / Suomalaisen Jääkäripataljoonan muistoksi pystytti täman patsaan ITSENÄISYYDEN LIITTO / Till minne av Finska Jägarbataljonen upprestes detta monument av ITSENÄISYYDEN LIITTO / Signatur: Lauri Leppänen 1939"
(Prof. Leppänen war Hauptmann im JR 27)

4. Ehrenmal für die Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges an  der Nordseite der Anlage. Ziegelsteinmauer, darauf in der Mitte eine Tafel „1939 (Eisernes Kreuz) 1945  Unseren Toten (Eichenlaub) Lockstedter Lager“. Links und rechts davon je zwei weitere Steintafeln mit den Ortsnamen Hungriger Wolf, Bücken, Hohenfierth und Springhoe.

5. Ehrenmal für die Zivilopfer des Zweiten Weltkrieges. Inschrift: „Unseren Toten aus Flucht und Vertreibung“ (ohne Namen)

Hohenlockstedt (Ehrenhain), Foto © 2005 Uwe SchärffHohenlockstedt (Ehrenhain), Foto © 2005 Uwe Schärff

Inschriften:

Zur Ehre
der Helden
von
Lockstedter
Lager
1914-1918

Die 238.Inf.Div. zog im April 1917 mit den IR.463, 464, 465 und FAR.62 aus dem Lockstedter Lager ins Feld. – Ewig lebt der Toten Tatenruhm

Zur Befreiung des Vaterlandes erhob sich Finnlands Jugend zu Beginn des Weltkrieges und ging in die Fremde um dort das Waffenhandwerk zu erlernen
Zum Andenken an das Königl. Preussische Jägerbataillon 27, das 1915-16 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet wurde und 1916-17 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen Truppen kämpfte um dann entscheidend an dem finnischen Befreiungskrieg teilzunehmen errichtete dieses Denkmal
ITSENÄISYYDEN LIITTO
Suomalaisen Jääkäripataljoonan muistoksi pystytti tämän patsaan
ITSENÄISYYDEN LIITTO
Till minne av Finska Jägarbataljonen upprestes detta monument av ITSENÄISYYDEN LIITTO
Lauri Leppänen 1939

Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges:

 

Name

Vorname

Todesdatum und Ort

 

Seite 2

HAHN

Wilhelm

18.10.1914  Moulin

1)

 

HAHN

Otto

15.10.1915  Hartmannsw.Kopf

2)

 

KLEPPEL

Franz

11.04.1917  Aisne

 

 

HAASE

Wilhelm

24.04.1917  Siegfried Stellung

 

 

BREDENBECK

H.

12.04.1917  Roeux Vitry

 

Seite 3

HOYER

Hermann

17.09.1916  Somme

 

 

JESSEL

Heinr.

15.06.1918  verm. Bethune

 

 

MESCHKAT

Fried

07.01.1915  Swinemünde

 

 

MESCHKAT

Adolf

17.10.1918  Passchendaele

 

 

BOIE

Markus

28.11.1914  Strykow

 

Seite 4

DREWS

Albert

18.06.1915  Vogesen

 

 

KRÖGER

August

08.01.1915  Lodz

 

 

STRUWE

Hans

04.10.1917  verm. Flandern

 

 

HORNS

Otto

14.08.1916  Somme

 

 

HINTSCH

Otto

05.08.1915  Warschau

 

Seite 5

SCHLICHTING

Max

20.10.1917  Verdun

 

Seite 6

ANDERSEN

Hans

17.02.1918  Le Cateab

 

 

HAASE

Karl

19.10.1918  Valferoy

 

 

HIPPLER

Bruno

04.03.1918  Flaba

 

 

STABEN

Markus

05.03.1918  i.Lazarett

 

 

STOLTEN

Friedr.

02.07.1918  Reims

 

Seite 7

ROGISTER

Dom. v.

22.09.1917  Verdun

3)

 

STANGE

Walter

14.04.1919  i.Lazarett

 

 

BAHLS

Friedrich

26.12.1915  i.Lazarett

4)

 

VOIGT

Ernst

17.10.1918  i.Lazarett

 

 

SCHEELE

Karl

27.08.1914  Mons

G)

Seite 8

GOSAU

Herm.

02.10.1914  Verpillieres

 

 

FUHLENDORF

Jul.

12.06.1918  Arras

 

 

RAMPOTT

Ernst

22.06.1915  Loretto

 

 

MOHR

Hinrich

25.06.1917  Rumänien

 

 

SCHÄFER

Herm.

17.04.1916  Dourmon

 

Im „Heimatbuch des Kreises Steinburg“ (Glückstadt 1926) kann der Ortsname „Hohenlockstedt“ noch nicht genannt sein. Dort finden sich für „Gemeinde Lockstedt“ vier Einträge: CHARNESKI, MODERAU, SOTH und WINTER. Und für den „Gutsbezirk Lockstedter Lager“ zwei Einträge: ANDERSEN und SCHEELE.

Name

Vorname

aus

Todesdatum und Ort

 

CHARNESKI

Hermann

Lockstedt

28.03.1918  Arras

A)

GEHRKENS

Johannes

Lockstedt

10.10.1914  Moulin

B)

MODERAU

Reinhold

Lockstedt

20.07.1916  Estrées

C)

SOTH

Walter

Lockstedt

14.10.1918  St. Joseph

D)

WINTER

Friedrich

Lockstedt

29.10.1915  Souchez Givenchy

E)

ANDERSEN

Hans Peter

Gutsbezirk Lockstedter Lager

12.02.1918  Lazarett Kolberg

F)

SCHEELE

Hinrich

Gutsbezirk Lockstedter Lager

26.08.1914  Mons

G)

A)  CHARNESKI, Hermann, Arbeiter, + 28.03.1918 Arras
B)  GEHRKENS, Johannes, Arbeiter, Inf.Rgt. 85, 3.Komp., + 10.10.1914 Moulin
C)  MODERAU, Reinhold, 27 Jahre, Arbeiter / Musketier, Inf. Regt. 85, 10. Komp., + 20.07.1916 Estrées
D)  SOTH, Walter, 20 Jahre, Schüler, 3. G. R., + 14.10.1918 St. Joseph
E)  WINTER, Friedrich, 23 Jahre, Arbeiter / Wehrmann, Inf. Regt. 84, 14. Komp., + 29.10.1915 Souchez Givenchy
F)  ANDERSEN, Hans Peter, 35 Jahre, Kantinenwirt / Gefreiter, Inf. Regt. 99, + 12.02.1918 Kriegslazarett Kolberg
G)  SCHEELE, Hinrich, 25 Jahre, Tischler, Inf. Regt. 85, + 26.08.1914 Mons

Beispiele weiterführender Erkundungen über www.volksbund.de/graebersuche :

1) (sofern identisch): Hahn, Wilhelm, Dienstgrad: Reservist, Todesdatum: 18.10.1914. [D0193484]  Wilhelm Hahn ruht a.d. Kriegsgräberstätte Nampcel (Frankreich). Kameradengrab

2) (sofern identisch): Hahn, Otto, Dienstgrad: Schütze, Todesdatum: 15.10.1915. [B0647271]  Otto Hahn ruht a.d. Kriegsgräberstätte Guebwiller (Frankreich). Kameradengrab

3) Ritter Rogister, Dominik, Dienstgrad: Leutnant, Todesdatum: 22.09.1917. [I0329866]  Dominik Ritter Rogister ruht a.d. Kriegsgräberstätte Troyon - "Vaux les Palameix" (Frankreich). Block 6 Grab 56

4) Bahls, Friedrich Robert Franz, Dienstgrad: (k.A.), Geburtsdatum: 19.01.1888, Todesdatum: 26.12.1915. [Z2714713]. Friedrich R. F. Bahls ruht a.d. Kriegsgräberstätte Hamburg-Ohlsdorf (BRD). Block X34 Grab 158

Aus der Geschichte Hohenlockstedts (Auszug):

Der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871 brachte etwa 6.000 französische Kriegsgefangene in das heutige Hohenlockstedt. Das Lager erhielt zunächst den offiziellen Namen "Barackenlager bei Lockstedt". Zeuge dieser Zeit ist noch heute der Franzosenfriedhof. Dieser lag bis 1952 in der Verlängerung der heutigen Birkenallee im Fabrikgelände der Firma Nier. 1952 wurde der Franzosen-Friedhof in den Waldfriedhof verlegt.

1872 wurde ein Schießplatz in der Lockstedter Heide errichtet, der im Laufe der Jahre zum Truppenübungsplatz ausgebaut wurde. Diese Anlage erreichte 1914 mit ca. 18.000 Bewohnern ihre größte Ausdehnung. 1889 bekam Hohenlockstedt einen Eisenbahnanschluß, der im Mai 1994 leider wieder aufgehoben wurde. 1900 wurde mit dem Wasserturm das Symbol des Lockstedter Lagers errichtet. Der Truppen-Übungsplatz bekam Wasserver- und Abwasserentsorgung. 1896 wurde der Truppenübungsplatz vergrößert. Außer Teilen der Ortschaften Ridders , Lohbarbek, Mühlenbarbek, Silzen und Schlotfeld wurde das Gut Bücken vom Staat käuflich erworben. Es entstand der große fiskalische Gutsbezirk Lockstedter Lager, von nun an Truppenübungsplatz. Das Jahr 1918 brachte auch das vorläufige Ende des Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager. Im Jahre 1934 wurde die Heeresmunitionsanstalt "Muna" eingerichtet. Das Ende des 2. Weltkrieges brachte wieder eine große Anzahl Heimatvertriebener in die Gemeinde.

Das Jahr 1956 wurde für den Ort von besonderer Bedeutung. Auf Wunsch der Gewerbetreibenden, aber auch eines großen Teils der Bevölkerung kam es zu der Namensänderung  der Gemeinde. Insbesondere war es das in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark negativ besetzte Wort "Lager" im Ortsnamen, das zur Namensänderung führte. Die Gemeinde wurde schließlich umbenannt in Hohenlockstedt mit den Ortsteilen Lockstedter Lager, Bücken, Hungriger Wolf, Ridders, Hohenfiert und Springhoe.

Hohenlockstedt hat ein besonderes Verhältnis zu Finnland. Auf Vorschlag des Finnischen Jägerbundes wurde zwischen dem damaligen Marktflecken Lapua in Finnland und der Gemeinde Hohenlockstedt am 23.10.1973 ein Freundschaftsverhältnis begründet. Es war Wunsch der Vertragspartner, auf der Basis jener Freundschaft aufzubauen, die sich ab dem 25.02.1915 zwischen den im damaligen Lockstedter Lager ausgebildeten Finnischen Jägern, die maßgeblichen Anteil an der Befreiung Finnlands von der russischen Vorherrschaft hatten, und der örtlichen Bevölkerung entspann.  Quelle: www.hohenlockstedt.de/holo-geschichte.html

Hintergrund der Verbindung Hohenlockstedts zu Finnland und zum Ehrenhain „Preußische Jäger und finnische Generäle“

     Am 26. Januar 1915 fiel in Berlin eine denkwürdige Entscheidung: Um die „Sympathie Deutschlands mit Finnland zu beweisen“, sollte finnischen Jugendlichen „aus guter Familie“ die Möglichkeit geboten werden, nach Deutschland zu kommen, sich „mit der Kulturhöhe und dem militärischen Geist Deutschlands“ bekannt zu machen und die Fähigkeit zu erwerben, im Falle eines aktiven Vorgehens Schwedens gegen Russland oder eines selbständigen finnischen Aufstandes militärische Aufgaben zu erfüllen. Die Entscheidung, Finnen militärisch zu schulen, erfolgte auf Ersuchen des radikalsten Flügels der finnischen nationalen Bewegung, fügte sich aber auch nahtlos in das seit Kriegsbeginn von der Reichsleitung zielstrebig verfolgte Konzept, die inneren Widersprüche im russischen Imperium und im britischen Empire zu schüren und im Interesse der deutschen Kriegführung zu nutzen. Vor 1914 war von amtlicher deutscher Seite nicht das Geringste geschehen, um durch eine Intervention in Petersburg das Los der Finnen zu erleichtern. Auch der neue Kurs war kein uneigennütziger Sympathiebeweis, sondern ein unter Einsatz erheblicher Mittel betriebener Versuch, finnische Selbständigkeitsbestrebungen für die eigenen strategischen Zwecke einzuspannen.

     Insgesamt sind seit dem 25. Februar 1915 in Deutschland, vorwiegend im Lockstedter Lager in Holstein, 1897 Finnen militärisch geschult worden. Von denen beteiligten sich dann 1918 etwa zwei Drittel, 1328 Mann, auf „weißer“ Seite am finnischen Bürgerkrieg. Der Einsatz dieser Truppe fiel stark ins Gewicht. Es waren aber doch letzten Endes keineswegs, wie vielfach als ganz selbstverständlich angenommen wird, „rund 2000 Jäger“, die nach der Rückkehr des Hauptkontingents der Truppe in das Kampfgeschehen eingriffen und danach für andere militärische Aufgaben zur Verfügung standen. Der Schrumpfungsprozeß war gravierend, ist aber angesichts der besonderen Umstände der Formierung, Ausbildung und des Einsatzes des Verbandes durchaus nachvollziehbar.

     In ihrer ersten Entwicklungsphase (Februar bis August 1915) erreichte die als „Pfadfinderkursus“ getarnte Formation eine Stärke von 189 Mann, von denen 145 das Abitur und 34 einen akademischen Abschluß nachweisen konnten. Diese hochmotivierte, größtenteils schwedischsprachige, studentische Stammtruppe erlangte auf Dauer eine elitäre Stellung in der Jägerbewegung und letztlich auch im gesamten finnischen Militärwesen.

     In der zweiten Entwicklungsphase (September 1915 bis Mai 1916) konnte der nunmehr als „Ausbildungstruppe Lockstedt“ bezeichnete Verband u.a. im Ergebnis einer intensiven Werbekampagne, die bis zum Frühjahr 1505, danach nochmals  192 Neuzugänge erbrachte, zu einer vollmilitärischen Jägereinheit ausgebaut werden. Diese Einheit kam dann als „Königlich Preußisches Jägerbataillon Nr.27“ (Namensverleihung am 9.Mai 1916) bis zum März 1917 entgegen den ursprünglichen Zusicherungen und nach der Vereidigung auf „Kaiser und Reich“ in Kurland zum Fronteinsatz.

     In dem Bataillon waren die wichtigsten sozialen Gruppierungen Finnlands vertreten: Arbeiter (mit einem Anteil von 26,2 %) und Bauern, Intellektuelle, Geschäftsleute und Staatsangestellte. Es ist davon auszugehen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Jäger auf das auch nach finnischer Rechtslage „landesverräterische“ und in seinem Ausgang höchst ungewisse Unternehmen in der Absicht und Erwartung eingelassen hatte, durch die militärische Schulung in Deutschland zu gegebener Zeit einen Beitrag für ein freies Finnland leisten zu können. Neben Idealismus und Opferbereitschaft waren allerdings auch andere Motive im Spiel: Abenteuerlust, Romantik, persönlich ausweglose Lebenssituationen, wie etwa im Fall der 132 aus deutschen Internierungslagern angeworbenen finnischen Seeleute, und Illusionen angesichts der Versprechungen von Werbern, die das Soldatenleben in Deutschland in den besten Farben geschildert und eine baldige Rückkehr in die Heimat in Aussicht gestellt hatten. „Was an Gutem nicht ausdrücklich gesagt wurde“, hieß es etwas herablassend in einem deutschen Situationsbericht, „wird gewiß die durch Sachverständnis und Einsicht nicht behinderte Phantasie der finnischen Bauern mühelos ergänzt haben.“ Worauf sie sich eingelassen hatten, wurde vielen erst auf dem Exerzierplatz und noch mehr im Fronteinsatz bewusst. Die meisten, aber eben nicht alle, bestanden die harte Probe.

     Die Stimmungslage innerhalb der Truppe ist erheblich beeinträchtigt worden durch permanente Konflikte zwischen der überwiegend schwedischsprachigen, aus Helsinki stammenden Führungsschicht und dem fast ausschließlich finnischsprachigen, hauptsächlich auf dem flachen Lande angeworbenen Mannschaftsbestand. Der damals ohnehin generell noch heftige Sprachenstreit erhielt zusätzlichen Auftrieb durch die alltägliche Erfahrung der einfachen Soldaten, dass sich ihre zuerst eingetroffenen akademisch gebildeten schwedischsprachigen Landsleute, die im Laufe der Zeit mit allen nicht von deutschen Offizieren besetzten Kommandostellen betraut wurden, als Unterführer ihnen gegenüber oft noch „preußischer als die Preußen“ verhielten. Deutscherseits sah man wenig Möglichkeiten, die Wellen zu glätten. Die Praxis, „die Intelligenz vor die Bauern, die Kampfesfreudigen vor die Missvergnügten, die deutschgesinnten Finnen vor die Nur-Finnen zu stellen“, galt als der für deutsche Stellen einzig mögliche Standpunkt.

     Zum schwersten Eklat im Verhältnis zu den deutschen Vorgesetzten kam es im September 1916 nach viermonatigem Fronteinsatz. Ein Teil der Mannschaften verweigerte den Gehorsam und verlangte die Rückführung der Einheit in die Etappe. Daraufhin wurden sieben Jäger kriegsgerichtlich zu Zwangsarbeit verurteilt, 69 weitere nach schlimmen Schikanen in das Arbeitslager Altona-Bahrenfeld verbracht. Nach neuerlichen Konflikten zu Beginn des Jahres 1917 erhöhte sich die Zahl der „Bahrenfelder“ auf 169, alles in allem sogar auf 224 Mann. Insgesamt sind bis zur Rückkehr des Bataillons in die Heimat 512 Jäger aus dem Dienst ausgeschieden. Gefallen, an Krankheiten und infolge von Unfällen verstorben sind 48, als vermisst gemeldet wurden 37 Mann.

     Neben den täglichen dienstlichen Herausforderungen beschäftigte über Jahre die Jäger, aber auch die zuständigen deutschen Instanzen, besonders die Frage nach dem „Wann“ und „Wie“ eines Einsatzes in Finnland. Im Laufe der Zeit wurden etwa 60 Mann im Rahmen der subversiven Kriegführung mit Spezialaufträgen (Sprengstoffattentate gegen russische Einrichtungen, nachrichtendienstliche Erkundungen etc.) nach Finnland beordert. Die deutscherseits aber vor allem verfolgte Absicht, das Jägerbataillon als Speerspitze eines antirussischen Volksaufstandes einsetzen zu können, ließ sich indessen nicht verwirklichen. Für die politisch führenden Kräfte der finnischen Widerstandsbewegung stand außer Frage, dass ein bewaffneter Aufstand ohne ein direktes Einschreiten deutscher Streitkräfte zu einem Fiasko führen würde.

     Das Hauptkontingent des im März 1917 nach Libau verlegten Jägerbataillons konnte am 25. Februar 1918 nach Vaasa, dem Sitz der bürgerlichen Regierung, endlich wieder heimatlichen Boden betreten. Vor die Wahl gestellt, sich entweder auf Seiten der Regierung zum Kampf gegen die „Russen“ und das mit ihnen sympathisierende „Gesindel“ zu verpflichten oder in Deutschland zu bleiben, hatten nur noch acht von insgesamt 451Jägern, die aus unterschiedlichen Gründen erst nach dem Weltkrieg heimkehren konnten, die Truppe verlassen.

     Der erste Auftrag, der die Jäger in der Heimat erwartete, unterschied sich erheblich von den Vorstellungen, die sie nach Deutschland geführt hatten. Seit dem Frühjahr 1917 hatten sich, begünstigt durch das Fehlen funktionsfähiger staatlicher Machtinstrumente, die lange angestauten inneren Gegensätze bis zum bewaffneten Kampf zugespitzt. Heute besteht weitgehende Übereinstimmung darüber, dass es sich dabei um einen Bürgerkrieg handelte, in dem russisches Militär nur eine marginale Rolle spielte. Auch von jenen, die das Geschehen als Freiheitskrieg bewerten, wird kaum noch die feste Absicht der sozialdemokratisch geprägten Führungsspitze der „Roten“ bezweifelt, die finnische Selbständigkeit zu bewahren, wohl aber deren Vermögen, diese Absicht auf Dauer gegen sowjetischen Druck auch wirklich durchzusetzen.

     Noch in Libau waren 403 Jäger zu Offizieren und 727 zu Unteroffizieren befördert worden. Die wichtigsten militärischen Führungsposition blieben 1918 aber den über 200, meist ranghöheren finnischen Offizieren, die freiwillig in der russischen Armee gedient hatten, vorbehalten. Außerdem standen 84 schwedische Freiwillige im Offiziersrang zur Verfügung. Dennoch ist die Bedeutung der Jäger für die Erhöhung der Kampfkraft der nach Einführung der Wehrpflicht auf etwa 70.000 Mann angewachsenen weißen Armee hoch zu veranschlagen. Neben dem Eingreifen einer kriegserfahrenen, sehr gut ausgerüsteten deutschen Interventionsstreitmacht in Stärke von ca. 14.000 Mann hatten die Jäger einen wichtigen Anteil am Sieg über den militärisch unbedarften Gegner, mit dem sehr hart abgerechnet wurde.

     Nach einem achtjährigen Machtkampf mit den ehemaligen zaristischen Offizieren gewannen die Jäger 1926 die dominierende Stellung in der militärischen Hierarchie. Noch 1944 kamen 36 von 45 aktiven Generälen aus dem „Lokstedter Lager“, darunter auch der Kommandeur der zur Vertreibung der deutschen Lapplandarmee eingesetzten Verbände. Von einzelnen Befürwortern rechtsradikaler Umsturzbestrebungen abgesehen, haben sich die „preußischen“ Jäger in allen nationalen Gefahrensituationen als finnische Patrioten bewährt und zugleich auch ein diffiziles Kapitel deutsch-finnischer Beziehungen mitgestaltet. Mit einer Reduzierung ihrer Geschichte auf ein Heldenepos hat aber die finnische Historiographie nichts mehr im Sinn.

     Der Beitrag „Preußische Jäger und finnische Generäle“ von Prof. Dr. Manfred Menger wurde der Deutsch-Finnischen Rundschau Nr. 119 / Dezember 2003 (Seite 40f) entnommen.

Datum der Abschrift: November 2005

Beitrag von: Genealogische Gesellschaft Hamburg e.V. (Uwe Schärff)
Foto © 2005 Uwe Schärff

 

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