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Hohenlockstedt
(Ehrenhain), Kreis Steinburg, Schleswig-Holstein:
Im Ehrenhain an der Finnischen Allee findet sich:
1. Ehrenmal für die Kriegstoten des Ersten
Weltkrieges, achtseitig aus Sandstein auf gestuftem Sockel, auf
der Spitze die Plastik eines Stahlhelmes auf Eichenlaubkranz.
Inschrift auf der ersten Seite: „Zur Ehre der Helden von Lockstedter
Lager 1914-1918“.
7
weitere Seiten mit 31 Namen in nicht erkennbarer Ordnung. Im
„Heimatbuch des Kreises Steinburg“ von 1926 werden aus Lockstedt
weitere 6 Namen aufgeführt.
2.
Ein Findling mit der Inschrift: „Die 238.Inf.Div. zog im April
1917 mit den IR.463, 464, 465 und FAR.62 aus dem Lockstedter Lager
ins Feld. – Ewig lebt der Toten Tatenruhm“
3.
Das Ehrenmal für die Finnischen Jäger. Inschriften: „Zur
Befreiung des Vaterlandes erhob sich Finnlands Jugend zu Beginn des
Weltkrieges und ging in die Fremde um dort das Waffenhandwerk zu
erlernen“. „Zum Andenken an das Königl. Preussische Jägerbataillon
27, das 1915-16 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet
wurde und 1916-17 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen
Truppen kämpfte um dann entscheidend an dem finnischen
Befreiungskrieg teilzunehmen errichtete dieses Denkmal /
ITSENÄISYYDEN LIITTO (etwa: Unabhängigkeits-Verband) / Suomalaisen
Jääkäripataljoonan muistoksi pystytti täman patsaan ITSENÄISYYDEN
LIITTO / Till minne av Finska Jägarbataljonen upprestes detta
monument av ITSENÄISYYDEN LIITTO / Signatur: Lauri Leppänen 1939"
(Prof. Leppänen war Hauptmann im JR 27)
4.
Ehrenmal für die Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges an der
Nordseite der Anlage. Ziegelsteinmauer, darauf in der Mitte eine
Tafel „1939 (Eisernes Kreuz) 1945 Unseren Toten (Eichenlaub)
Lockstedter Lager“. Links und rechts davon je zwei weitere
Steintafeln mit den Ortsnamen Hungriger Wolf, Bücken, Hohenfierth
und Springhoe.
5.
Ehrenmal für die Zivilopfer des Zweiten Weltkrieges. Inschrift:
„Unseren Toten aus Flucht und Vertreibung“ (ohne Namen)
 
Inschriften:
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Zur Ehre
der Helden
von
Lockstedter
Lager
1914-1918
Die
238.Inf.Div. zog im April 1917 mit den IR.463, 464, 465 und FAR.62
aus dem Lockstedter Lager ins Feld. – Ewig lebt der Toten Tatenruhm
Zur
Befreiung des Vaterlandes erhob sich Finnlands Jugend zu Beginn des
Weltkrieges und ging in die Fremde um dort das Waffenhandwerk zu
erlernen
Zum Andenken an das Königl. Preussische Jägerbataillon 27, das
1915-16 im Lockstedter Lager aufgestellt und ausgebildet wurde und
1916-17 an der Ostfront Schulter an Schulter mit deutschen Truppen
kämpfte um dann entscheidend an dem finnischen Befreiungskrieg
teilzunehmen errichtete dieses Denkmal
ITSENÄISYYDEN
LIITTO
Suomalaisen Jääkäripataljoonan muistoksi pystytti tämän patsaan
ITSENÄISYYDEN LIITTO
Till minne av Finska Jägarbataljonen upprestes detta monument av
ITSENÄISYYDEN LIITTO
Lauri Leppänen 1939 |
Namen der Gefallenen des Ersten
Weltkrieges:
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Name |
Vorname |
Todesdatum und Ort |
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Seite 2 |
HAHN |
Wilhelm |
18.10.1914 Moulin |
1) |
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HAHN |
Otto |
15.10.1915 Hartmannsw.Kopf |
2) |
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KLEPPEL |
Franz |
11.04.1917 Aisne |
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HAASE |
Wilhelm |
24.04.1917 Siegfried Stellung |
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BREDENBECK |
H. |
12.04.1917
Roeux Vitry |
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Seite
3 |
HOYER |
Hermann |
17.09.1916 Somme |
|
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|
JESSEL |
Heinr. |
15.06.1918 verm. Bethune |
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MESCHKAT |
Fried |
07.01.1915 Swinemünde |
|
|
|
MESCHKAT |
Adolf |
17.10.1918 Passchendaele |
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|
BOIE |
Markus |
28.11.1914 Strykow |
|
|
Seite
4 |
DREWS |
Albert |
18.06.1915 Vogesen |
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|
KRÖGER |
August |
08.01.1915 Lodz |
|
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STRUWE |
Hans |
04.10.1917 verm. Flandern |
|
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HORNS |
Otto |
14.08.1916 Somme |
|
|
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HINTSCH |
Otto |
05.08.1915 Warschau |
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|
Seite
5 |
SCHLICHTING |
Max |
20.10.1917 Verdun |
|
|
Seite
6 |
ANDERSEN |
Hans |
17.02.1918 Le Cateab |
|
|
|
HAASE |
Karl |
19.10.1918 Valferoy |
|
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|
HIPPLER |
Bruno |
04.03.1918 Flaba |
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STABEN |
Markus |
05.03.1918 i.Lazarett |
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STOLTEN |
Friedr. |
02.07.1918 Reims |
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Seite
7 |
ROGISTER |
Dom.
v. |
22.09.1917 Verdun |
3) |
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STANGE |
Walter |
14.04.1919 i.Lazarett |
|
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BAHLS |
Friedrich |
26.12.1915 i.Lazarett |
4) |
|
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VOIGT |
Ernst |
17.10.1918 i.Lazarett |
|
|
|
SCHEELE |
Karl |
27.08.1914 Mons |
G) |
|
Seite
8 |
GOSAU |
Herm. |
02.10.1914 Verpillieres |
|
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FUHLENDORF |
Jul. |
12.06.1918 Arras |
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RAMPOTT |
Ernst |
22.06.1915 Loretto |
|
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MOHR |
Hinrich |
25.06.1917 Rumänien |
|
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SCHÄFER |
Herm. |
17.04.1916 Dourmon |
|
Im
„Heimatbuch des Kreises Steinburg“
(Glückstadt 1926) kann der Ortsname „Hohenlockstedt“ noch nicht
genannt sein. Dort finden sich für „Gemeinde Lockstedt“ vier
Einträge: CHARNESKI, MODERAU, SOTH und WINTER. Und für den
„Gutsbezirk Lockstedter Lager“ zwei Einträge: ANDERSEN und SCHEELE.
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Name |
Vorname |
aus |
Todesdatum und Ort |
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CHARNESKI |
Hermann |
Lockstedt |
28.03.1918 Arras |
A) |
|
GEHRKENS |
Johannes |
Lockstedt |
10.10.1914
Moulin |
B) |
|
MODERAU |
Reinhold |
Lockstedt |
20.07.1916
Estrées |
C) |
|
SOTH |
Walter |
Lockstedt |
14.10.1918 St.
Joseph |
D) |
|
WINTER |
Friedrich |
Lockstedt |
29.10.1915
Souchez Givenchy |
E) |
|
ANDERSEN |
Hans
Peter |
Gutsbezirk Lockstedter Lager |
12.02.1918 Lazarett Kolberg |
F) |
|
SCHEELE |
Hinrich |
Gutsbezirk Lockstedter Lager |
26.08.1914 Mons |
G) |
A) CHARNESKI, Hermann, Arbeiter, + 28.03.1918 Arras
B) GEHRKENS, Johannes, Arbeiter, Inf.Rgt. 85, 3.Komp., +
10.10.1914 Moulin
C) MODERAU, Reinhold, 27 Jahre, Arbeiter / Musketier, Inf.
Regt. 85, 10. Komp., + 20.07.1916 Estrées
D) SOTH, Walter, 20 Jahre, Schüler, 3. G. R., + 14.10.1918 St.
Joseph
E) WINTER, Friedrich, 23 Jahre, Arbeiter / Wehrmann, Inf. Regt.
84, 14. Komp., + 29.10.1915 Souchez Givenchy
F) ANDERSEN, Hans Peter, 35 Jahre, Kantinenwirt / Gefreiter,
Inf. Regt. 99, + 12.02.1918 Kriegslazarett Kolberg
G) SCHEELE, Hinrich, 25 Jahre, Tischler, Inf. Regt. 85, +
26.08.1914 Mons
Beispiele weiterführender Erkundungen
über
www.volksbund.de/graebersuche
:
1)
(sofern identisch): Hahn, Wilhelm, Dienstgrad: Reservist,
Todesdatum: 18.10.1914. [D0193484] Wilhelm Hahn ruht a.d.
Kriegsgräberstätte Nampcel (Frankreich). Kameradengrab
2)
(sofern identisch): Hahn, Otto, Dienstgrad: Schütze, Todesdatum:
15.10.1915. [B0647271] Otto Hahn ruht a.d. Kriegsgräberstätte
Guebwiller (Frankreich). Kameradengrab
3)
Ritter Rogister, Dominik, Dienstgrad: Leutnant, Todesdatum:
22.09.1917. [I0329866] Dominik Ritter Rogister ruht a.d.
Kriegsgräberstätte Troyon - "Vaux les Palameix" (Frankreich).
Block 6 Grab 56
4)
Bahls, Friedrich Robert Franz, Dienstgrad: (k.A.), Geburtsdatum:
19.01.1888, Todesdatum: 26.12.1915. [Z2714713]. Friedrich R. F.
Bahls ruht a.d. Kriegsgräberstätte Hamburg-Ohlsdorf (BRD). Block
X34 Grab 158
Aus der Geschichte Hohenlockstedts (Auszug):
Der Deutsch-Französische Krieg 1870-1871 brachte etwa 6.000 französische
Kriegsgefangene in das heutige Hohenlockstedt. Das Lager erhielt
zunächst den offiziellen Namen "Barackenlager bei Lockstedt". Zeuge
dieser Zeit ist noch heute der Franzosenfriedhof. Dieser lag bis 1952 in
der Verlängerung der heutigen Birkenallee im Fabrikgelände der Firma
Nier. 1952 wurde der Franzosen-Friedhof in den Waldfriedhof verlegt.
1872 wurde ein Schießplatz in der Lockstedter Heide errichtet, der im
Laufe der Jahre zum Truppenübungsplatz ausgebaut wurde. Diese Anlage
erreichte 1914 mit ca. 18.000 Bewohnern ihre größte Ausdehnung. 1889
bekam Hohenlockstedt einen Eisenbahnanschluß, der im Mai 1994 leider
wieder aufgehoben wurde. 1900 wurde mit dem Wasserturm das Symbol des
Lockstedter Lagers errichtet. Der Truppen-Übungsplatz bekam Wasserver-
und Abwasserentsorgung. 1896 wurde der Truppenübungsplatz vergrößert.
Außer Teilen der Ortschaften Ridders , Lohbarbek, Mühlenbarbek, Silzen
und Schlotfeld wurde das Gut Bücken vom Staat käuflich erworben. Es
entstand der große fiskalische Gutsbezirk Lockstedter Lager, von nun an
Truppenübungsplatz. Das Jahr 1918 brachte auch das vorläufige Ende des
Truppenübungsplatzes Lockstedter Lager. Im Jahre 1934 wurde die
Heeresmunitionsanstalt "Muna" eingerichtet. Das Ende des 2. Weltkrieges
brachte wieder eine große Anzahl Heimatvertriebener in die Gemeinde.
Das Jahr 1956 wurde für den Ort von besonderer Bedeutung. Auf Wunsch der
Gewerbetreibenden, aber auch eines großen Teils der Bevölkerung kam es
zu der Namensänderung der Gemeinde. Insbesondere war es das in den
vergangenen zwei Jahrzehnten stark negativ besetzte Wort "Lager" im
Ortsnamen, das zur Namensänderung führte. Die Gemeinde wurde schließlich
umbenannt in Hohenlockstedt mit den Ortsteilen Lockstedter Lager,
Bücken, Hungriger Wolf, Ridders, Hohenfiert und Springhoe.
Hohenlockstedt hat ein besonderes Verhältnis zu Finnland. Auf Vorschlag
des Finnischen Jägerbundes wurde zwischen dem damaligen Marktflecken
Lapua in Finnland und der Gemeinde Hohenlockstedt am 23.10.1973 ein
Freundschaftsverhältnis begründet. Es war Wunsch der Vertragspartner,
auf der Basis jener Freundschaft aufzubauen, die sich ab dem 25.02.1915
zwischen den im damaligen Lockstedter Lager ausgebildeten Finnischen
Jägern, die maßgeblichen Anteil an der Befreiung Finnlands von der
russischen Vorherrschaft hatten, und der örtlichen Bevölkerung entspann.
Quelle:
www.hohenlockstedt.de/holo-geschichte.html
Hintergrund der Verbindung Hohenlockstedts zu Finnland und zum Ehrenhain
„Preußische Jäger und finnische Generäle“
Am
26. Januar 1915 fiel in Berlin eine denkwürdige Entscheidung: Um die
„Sympathie Deutschlands mit Finnland zu beweisen“, sollte finnischen
Jugendlichen „aus guter Familie“ die Möglichkeit geboten werden, nach
Deutschland zu kommen, sich „mit der Kulturhöhe und dem militärischen
Geist Deutschlands“ bekannt zu machen und die Fähigkeit zu erwerben, im
Falle eines aktiven Vorgehens Schwedens gegen Russland oder eines
selbständigen finnischen Aufstandes militärische Aufgaben zu erfüllen.
Die Entscheidung, Finnen militärisch zu schulen, erfolgte auf Ersuchen
des radikalsten Flügels der finnischen nationalen Bewegung, fügte sich
aber auch nahtlos in das seit Kriegsbeginn von der Reichsleitung
zielstrebig verfolgte Konzept, die inneren Widersprüche im russischen
Imperium und im britischen Empire zu schüren und im Interesse der
deutschen Kriegführung zu nutzen. Vor 1914 war von amtlicher deutscher
Seite nicht das Geringste geschehen, um durch eine Intervention in
Petersburg das Los der Finnen zu erleichtern. Auch der neue Kurs war
kein uneigennütziger Sympathiebeweis, sondern ein unter Einsatz
erheblicher Mittel betriebener Versuch, finnische
Selbständigkeitsbestrebungen für die eigenen strategischen Zwecke
einzuspannen.
Insgesamt sind seit dem 25. Februar 1915 in Deutschland, vorwiegend im
Lockstedter Lager in Holstein, 1897 Finnen militärisch geschult worden.
Von denen beteiligten sich dann 1918 etwa zwei Drittel, 1328 Mann, auf
„weißer“ Seite am finnischen Bürgerkrieg. Der Einsatz dieser Truppe fiel
stark ins Gewicht. Es waren aber doch letzten Endes keineswegs, wie
vielfach als ganz selbstverständlich angenommen wird, „rund 2000 Jäger“,
die nach der Rückkehr des Hauptkontingents der Truppe in das
Kampfgeschehen eingriffen und danach für andere militärische Aufgaben
zur Verfügung standen. Der Schrumpfungsprozeß war gravierend, ist aber
angesichts der besonderen Umstände der Formierung, Ausbildung und des
Einsatzes des Verbandes durchaus nachvollziehbar.
In
ihrer ersten Entwicklungsphase (Februar bis August 1915) erreichte die
als „Pfadfinderkursus“ getarnte Formation eine Stärke von 189 Mann, von
denen 145 das Abitur und 34 einen akademischen Abschluß nachweisen
konnten. Diese hochmotivierte, größtenteils schwedischsprachige,
studentische Stammtruppe erlangte auf Dauer eine elitäre Stellung in der
Jägerbewegung und letztlich auch im gesamten finnischen Militärwesen.
In
der zweiten Entwicklungsphase (September 1915 bis Mai 1916) konnte der
nunmehr als „Ausbildungstruppe Lockstedt“ bezeichnete Verband u.a. im
Ergebnis einer intensiven Werbekampagne, die bis zum Frühjahr 1505,
danach nochmals 192 Neuzugänge erbrachte, zu einer vollmilitärischen
Jägereinheit ausgebaut werden. Diese Einheit kam dann als „Königlich
Preußisches Jägerbataillon Nr.27“ (Namensverleihung am 9.Mai 1916) bis
zum März 1917 entgegen den ursprünglichen Zusicherungen und nach der
Vereidigung auf „Kaiser und Reich“ in Kurland zum Fronteinsatz.
In
dem Bataillon waren die wichtigsten sozialen Gruppierungen Finnlands
vertreten: Arbeiter (mit einem Anteil von 26,2 %) und Bauern,
Intellektuelle, Geschäftsleute und Staatsangestellte. Es ist davon
auszugehen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Jäger auf das auch
nach finnischer Rechtslage „landesverräterische“ und in seinem Ausgang
höchst ungewisse Unternehmen in der Absicht und Erwartung eingelassen
hatte, durch die militärische Schulung in Deutschland zu gegebener Zeit
einen Beitrag für ein freies Finnland leisten zu können. Neben
Idealismus und Opferbereitschaft waren allerdings auch andere Motive im
Spiel: Abenteuerlust, Romantik, persönlich ausweglose Lebenssituationen,
wie etwa im Fall der 132 aus deutschen Internierungslagern angeworbenen
finnischen Seeleute, und Illusionen angesichts der Versprechungen von
Werbern, die das Soldatenleben in Deutschland in den besten Farben
geschildert und eine baldige Rückkehr in die Heimat in Aussicht gestellt
hatten. „Was an Gutem nicht ausdrücklich gesagt wurde“, hieß es etwas
herablassend in einem deutschen Situationsbericht, „wird gewiß die durch
Sachverständnis und Einsicht nicht behinderte Phantasie der finnischen
Bauern mühelos ergänzt haben.“ Worauf sie sich eingelassen hatten, wurde
vielen erst auf dem Exerzierplatz und noch mehr im Fronteinsatz bewusst.
Die meisten, aber eben nicht alle, bestanden die harte Probe.
Die
Stimmungslage innerhalb der Truppe ist erheblich beeinträchtigt worden
durch permanente Konflikte zwischen der überwiegend
schwedischsprachigen, aus Helsinki stammenden Führungsschicht und dem
fast ausschließlich finnischsprachigen, hauptsächlich auf dem flachen
Lande angeworbenen Mannschaftsbestand. Der damals ohnehin generell noch
heftige Sprachenstreit erhielt zusätzlichen Auftrieb durch die
alltägliche Erfahrung der einfachen Soldaten, dass sich ihre zuerst
eingetroffenen akademisch gebildeten schwedischsprachigen Landsleute,
die im Laufe der Zeit mit allen nicht von deutschen Offizieren besetzten
Kommandostellen betraut wurden, als Unterführer ihnen gegenüber oft noch
„preußischer als die Preußen“ verhielten. Deutscherseits sah man wenig
Möglichkeiten, die Wellen zu glätten. Die Praxis, „die Intelligenz vor
die Bauern, die Kampfesfreudigen vor die Missvergnügten, die
deutschgesinnten Finnen vor die Nur-Finnen zu stellen“, galt als der für
deutsche Stellen einzig mögliche Standpunkt.
Zum
schwersten Eklat im Verhältnis zu den deutschen Vorgesetzten kam es im
September 1916 nach viermonatigem Fronteinsatz. Ein Teil der
Mannschaften verweigerte den Gehorsam und verlangte die Rückführung der
Einheit in die Etappe. Daraufhin wurden sieben Jäger kriegsgerichtlich
zu Zwangsarbeit verurteilt, 69 weitere nach schlimmen Schikanen in das
Arbeitslager Altona-Bahrenfeld verbracht. Nach neuerlichen Konflikten zu
Beginn des Jahres 1917 erhöhte sich die Zahl der „Bahrenfelder“ auf 169,
alles in allem sogar auf 224 Mann. Insgesamt sind bis zur Rückkehr des
Bataillons in die Heimat 512 Jäger aus dem Dienst ausgeschieden.
Gefallen, an Krankheiten und infolge von Unfällen verstorben sind 48,
als vermisst gemeldet wurden 37 Mann.
Neben
den täglichen dienstlichen Herausforderungen beschäftigte über Jahre die
Jäger, aber auch die zuständigen deutschen Instanzen, besonders die
Frage nach dem „Wann“ und „Wie“ eines Einsatzes in Finnland. Im Laufe
der Zeit wurden etwa 60 Mann im Rahmen der subversiven Kriegführung mit
Spezialaufträgen (Sprengstoffattentate gegen russische Einrichtungen,
nachrichtendienstliche Erkundungen etc.) nach Finnland beordert. Die
deutscherseits aber vor allem verfolgte Absicht, das Jägerbataillon als
Speerspitze eines antirussischen Volksaufstandes einsetzen zu können,
ließ sich indessen nicht verwirklichen. Für die politisch führenden
Kräfte der finnischen Widerstandsbewegung stand außer Frage, dass ein
bewaffneter Aufstand ohne ein direktes Einschreiten deutscher
Streitkräfte zu einem Fiasko führen würde.
Das
Hauptkontingent des im März 1917 nach Libau verlegten Jägerbataillons
konnte am 25. Februar 1918 nach Vaasa, dem Sitz der bürgerlichen
Regierung, endlich wieder heimatlichen Boden betreten. Vor die Wahl
gestellt, sich entweder auf Seiten der Regierung zum Kampf gegen die
„Russen“ und das mit ihnen sympathisierende „Gesindel“ zu verpflichten
oder in Deutschland zu bleiben, hatten nur noch acht von insgesamt
451Jägern, die aus unterschiedlichen Gründen erst nach dem Weltkrieg
heimkehren konnten, die Truppe verlassen.
Der
erste Auftrag, der die Jäger in der Heimat erwartete, unterschied sich
erheblich von den Vorstellungen, die sie nach Deutschland geführt
hatten. Seit dem Frühjahr 1917 hatten sich, begünstigt durch das Fehlen
funktionsfähiger staatlicher Machtinstrumente, die lange angestauten
inneren Gegensätze bis zum bewaffneten Kampf zugespitzt. Heute besteht
weitgehende Übereinstimmung darüber, dass es sich dabei um einen
Bürgerkrieg handelte, in dem russisches Militär nur eine marginale Rolle
spielte. Auch von jenen, die das Geschehen als Freiheitskrieg bewerten,
wird kaum noch die feste Absicht der sozialdemokratisch geprägten
Führungsspitze der „Roten“ bezweifelt, die finnische Selbständigkeit zu
bewahren, wohl aber deren Vermögen, diese Absicht auf Dauer gegen
sowjetischen Druck auch wirklich durchzusetzen.
Noch
in Libau waren 403 Jäger zu Offizieren und 727 zu Unteroffizieren
befördert worden. Die wichtigsten militärischen Führungsposition blieben
1918 aber den über 200, meist ranghöheren finnischen Offizieren, die
freiwillig in der russischen Armee gedient hatten, vorbehalten. Außerdem
standen 84 schwedische Freiwillige im Offiziersrang zur Verfügung.
Dennoch ist die Bedeutung der Jäger für die Erhöhung der Kampfkraft der
nach Einführung der Wehrpflicht auf etwa 70.000 Mann angewachsenen
weißen Armee hoch zu veranschlagen. Neben dem Eingreifen einer
kriegserfahrenen, sehr gut ausgerüsteten deutschen
Interventionsstreitmacht in Stärke von ca. 14.000 Mann hatten die Jäger
einen wichtigen Anteil am Sieg über den militärisch unbedarften Gegner,
mit dem sehr hart abgerechnet wurde.
Nach
einem achtjährigen Machtkampf mit den ehemaligen zaristischen Offizieren
gewannen die Jäger 1926 die dominierende Stellung in der militärischen
Hierarchie. Noch 1944 kamen 36 von 45 aktiven Generälen aus dem „Lokstedter
Lager“, darunter auch der Kommandeur der zur Vertreibung der deutschen
Lapplandarmee eingesetzten Verbände. Von einzelnen Befürwortern
rechtsradikaler Umsturzbestrebungen abgesehen, haben sich die
„preußischen“ Jäger in allen nationalen Gefahrensituationen als
finnische Patrioten bewährt und zugleich auch ein diffiziles Kapitel
deutsch-finnischer Beziehungen mitgestaltet. Mit einer Reduzierung ihrer
Geschichte auf ein Heldenepos hat aber die finnische Historiographie
nichts mehr im Sinn.
Der
Beitrag „Preußische Jäger und finnische Generäle“ von Prof. Dr. Manfred
Menger wurde der Deutsch-Finnischen Rundschau Nr. 119 / Dezember 2003
(Seite 40f) entnommen.
Datum der
Abschrift: November 2005
Beitrag von:
Genealogische Gesellschaft Hamburg e.V. (Uwe Schärff)
Foto © 2005 Uwe Schärff
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