Steinernes hohes Kreuz auf Sockel. Auf der Vorderseite eine Widmung,
auf der Rückseite 9 verwitterte Namen. Seitlich davon je zwei
verwitterte Grabsteine.
„Am
Dienstag, den 20. d. M., Abends halb 9 Uhr, wurde die Bevölkerung
Cuxhavens durch einen dumpfen mit starkem Luftdruck verbundenen
Knall aufgeschreckt, der auf eine in der Nähe stattgehabte
Explosion schließen ließ. Alsbald verbreitete sich denn auch die
Kunde, daß auf dem, der im Hafen an dem Quai der Ostseite liegenden
Torpedoflottille angehörenden Dampfer `Neuenfelde` ein Torpedo
explodirt sei und Schiff und Mannschaft vernichtet habe. Von in der
Nähe befindlichen Leuten waren in der hochaufsteigenden riesigen
Feuersäule menschliche Gliedmaßen erkannt worden und das Schiff war
sofort gesunken. Die Dunkelheit des Abends ließ keinen Ueberblick
über die Unglücksstätte zu, doch wurde sofort mit aller Energie
seitens des Militaer=Commandos und unserer Hafenbehörde Anstalten
zur Auffindung der Leichen und Rettung etwaiger noch Lebender
getroffen und gleichzeitig zur Untersuchung geschritten, wer und wie
viel Personen an Bord gewesen waren. Während nun von den
Verunglückten im Hafen und auf dem Lande in Entfernung von ca. 300
Schritten einzelne Stücke und Gliedmaßen aufgefunden wurden, ergab
die Untersuchung, daß zur Zeit der Explosion 13 Personen an Bord des
Schiffes gewesen waren, von denen es 4, welche zur Besatzung des
Schiffes gehörten, gelungen war sich zu retten.
Ferner
wurde constatirt, daß unter den an Bord Befindlichen die Herren
Hauptm. v. Schöler, vom 15. Landwehr=Regiment, Adj. und Lieut.
Weber, Lieut. Galler und Wierszma von dem 62. Landwehr=Reg. Zu
zählen seien, welche von dem Officier der freiwilligen Seewehr und
Führer des `Neuenfelde`, Capt. Struwe, zum Abendessen an Bord
eingeladen worden waren, und bleibt den aufgefundenen Uniformstücken
und Taschentüchern nach auch kein Zweifel, daß sie bei der
Katastrophe ihr Leben verloren haben. Im Ganzen büßten bei der
Explosion 9 Personen ihr Leben ein, außer oben genannten noch der
Schiffsführer Struwe und 3 Mann von der Schiffsbesatzung. Leichen
oder vielmehr Stücke derselben wurden bis jetzt aber erst 7
aufgefunden und vermuthet man, daß die beiden Letzten sich noch in
dem gesunkenen Schiff befinden.
Ueber
die Entstehung des Unglücks hören wir, daß, da beim Anbordkommen das
Abendessen noch nicht eingerichtet gewesen ist, Struwe sich erboten
haben soll, seinen Gästen zuvor einmal die Construction der Torpedos
zu zeigen, und wird das übereilte Losschrauben des
Sicherheitsventils wohl die Explosion veranlaßt haben.
Die
Geretteten befanden sich auf dem Hintertheil des Schiffes und da das
Schiff zuerst vorne, wo die Explosion stattfand, wegsank, so fanden
sie Zeit an`s Land zu springen.
Heute
Morgen fand die Beerdigung der Verunglückten statt, welche in 6
reichbekränzten Särgen, mit allen militairischen Ehren zur Gruft
gebracht und neben den am 9 Mai 1864 in der Schlacht bei Helgoland
gefallenen Oesterreichern gebettet wurden. Ein unabsehbares Gefolge,
Militair und Civil hatte sich dem Leichenzuge angeschlossen und
legte Zeugniß ab von der Theilnahme, die dieses unglückselige
Ereigniß hier in allen Kreisen hervorgerufen hat.“ (Zeitung Amt
Ritzebüttel, 22.09.1870)
