Der gestrige Tag wird in der Geschichte unserer Stadt für alle
Zeiten als einer der glänzendsten und bedeutungsvollsten
hervorragen. Galt er doch der Enthüllungs- und Weihefeier eines
Denkmals, die opferwillig Blut und Leben darangesetzt, als
„Feinde rungsum“ das Vaterland bedrohten. Und wie solenn und mit
welchem erhebenden Gefühle der Einigkeit der Bürgerschaft in der
Pietät gegen die Tapfern ist deren Gedächtniß bei dieser
Gelegenheit gefeiert worden!
Schon lange vor dem Anbruche des festlichen Tages waren die
umfassendsten Vorbereitungen zu dem schönen Feste getroffen. Die
Stadt prangte in Grün und Blumen- und Fahnenschmuck; Krieger-,
Schützen-, Turner- und Sängervereine, sowie Studenten und
Schüler hatten sich um ihre Banner geschaart, ja aus der
Umgegend auch waren Kameraden der theuern Gefallenen in großer
Zahl erschienen und von der Bürgerschaft gastlich aufgenommen.
Die städtischen behörden, speciell das Fest-Comité, haben sich
nun am Ziele ihrer langen, rastlosen Thätigkeit, das Fest würdig
zu inscenieren.
Nachdem bereits am Vorabende die vereinigten Krieger- und
Militär-Vereine einen glänzenden Fackelzug vom Obermarkte aus
durch die Stadt gehalten hatten, der mit dem „Zapfenstreich“
begann und auf dem Blobach in gleicher Weise endete, riefen am
Festmorgen früh 5 Uhr die Hörner und Trommeln der Kriegervereine
die Bürgerschaft wach. Während der Nacht hatte ein heftiger
Sturm gewüthet, der indeß mit dem Sonnenaufgange sich
einigermaßen legte, und nun begann seitens der genannten Vereine
der Empfang der von auswärts gekommenen Kameraden, deren
Begrüßung die allerherzlichste war. Von Stunde zu Stunde wurde
es lebendiger auf den Straßen. Fast keine derselben war ohne
Festschmuck, ja die Hauptstraßen: der Steinweg, die Herrn-, die
Felchtaer-, Erfurter- und Kiliansstraße, insbesondere aber auch
die Görmarstraße haben wir kaum jemals so reich farbenprächtig
und sinnig decorirt gesehen, wie diesmal.
- Für heute könne wir nur noch mittheilen, daß der officielle
Theil der Enthüllungsfeier bei heller trockner Witterung vor
sich ging, die Betheiligung am Festzuge außerordentlich
zahlreich war, wie wir es hier noch nicht erlebt haben im der
Moment der Enthüllung selbst sehr feierlich. Das Denkmal nimmt
sich sehr prachtvoll aus und ist eine Zierde der Stadt für alle
Zeiten.