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Gleiwitz (poln. Gliwice, Inf.-Reg. Nr.
22), Oberschlesien:
Gedenkhalle des Infantertie-Regiment (Keith) Nr. 22

Die Gedenkhalle:
Die alten Zweiundzwanziger haben, aufs wärmste von der Bevölkerung
des oberschlesischen Industriebezirks und den städtischen
Körperschaften von Gleiwitz unterstützt, dem Gedächtnis ihrer im
großen Kriege gefallenen Kameraden und ihren ruhmvollen Regimentern
in ihrer Friedensgarnisonstadt Gleiwitz ein Denkmal errichtet. Wenn
wir die Kreidelstraße entlang kommend die Promenade betreten, da
steht ein Tempelbau vor uns, ernst und würdig. In seiner Nähe
verstummen die lauten, heiteren Gespräche, und wir flüstern nur, so
wie wir es auf einem Gottesacker tun. Das Denkmal der
Zweiundzwanziger! Wir treten näher heran. Auf vier Ecken bildenden,
gemauerten Pfeilern, die durch schmiedeeiserne Gitter verbunden
sind, ruht ein mit einer Inschrift gezierter Fries, und darüber
wölbt sich ein kupfernes Dach, von einem Eisernen Kreuz überhöht.
Wir steigen die Stufen hinan und treten durch das Gittertor in das
Innern der Halle. Feierliches Schweigen umfängt uns wie in einer
Kirche. In der Mitte steht ein Stein mit einer goldenen Inschrift,
wuchtig und schweigend wie ein Sarkophag. An den Wänden der Pfeiler
sind marmorne Tafeln angebracht mit goldenen Buchstaben und goldenen
Zahlen, die Namen und Daten der Schlachten und Gefechte und die Zahl
der toten Helden.
Die Halle ist ein Ehrenmal für euch, ihr lieben toten Kameraden, die
ihr die Nummer 22 getragen habt. Wir werden euch nie vergessen; denn
ihr habt Freud und Leid im Kampfe mit uns geteilt, mit uns gesiegt,
mit uns bei Hunger und Kälte im Trommelfeuer gelegen, und neben uns
seid ihr gestorben. Ihr starbt den Soldatentod, den schönsten,
ehrenvollsten Tod, den es für deutsche Männer gibt. Ihr ginget dahin
im Bewusstsein der erfüllten Pflicht, in dem Glauben an den
deutschen Sieg. Kameradenhände betteten euch fern von der Heimat zur
letzten Ruhe. Aber jetzt habt ihr auch ein Grabmal in deutscher
Erde; hierhin, zu unserer Gedenkhalle, werden eure Angehörigen
pilgern, wenn es sie zu dem Grabe ihres Sohnes zieht oder ihres
Gatten, ihres Vaters, ihres Bruders oder ihres Bräutigams. Hier
werden sie ihr stilles Gebet sprechen. Und ist es nicht schön, mit
so vielen guten Kameraden zusammen zu ruhen? Auch für unser liebes
tapferes Regiment ist die Halle ein Ehrenmal. Solange unser Herz
schlägt, werden die Keither bleiben. Und auch die hehren Taten
unseres Regiments werden nie vergessen werden; die marmornen Tafeln
in der Gedenkhalle werden sie der Nachwelt künden; uns und den
Unsrigen sind sie ins Herz geschrieben.
Noch eine dritte große Bedeutung hat die Gedenkhalle, eine Bedeutung
für uns alle. Sie erinnert uns, unsere Pflicht fürs Vaterland so
treu zu tun wie die Helden unseres Regiments, denen sie geweiht ist.
Sie mahnt uns, deutsch und mannhaft zu denken und zu handeln. Sie
erinnert uns aber auch daran, dass unsere oberschlesische Heimat
heilige deutsche Erde ist. Das Denkmal ist daher auch ein
Mahnzeichen deutschen Geistes und deutscher Vaterlandsliebe und ein
Wahrzeichen des Deutschtums in unserem vom nahen Feinde bedrohten
Oberschlesien.
Quelle des Textes: Regimentsbuch des Infanterie-Regiment
(Keith) Nr. 22, 20iger Jahre, Druck von Oskar Brandstetter in
Leipzig
Datum der
Abschrift: 01.12.2008
Beitrag von:
Wellesweiler Arbeitskreis für Geschichte, Landeskunde und Volkskultur e.V.,
Hirtenstraße 26, 66539 Neunkirchen-Wellesweiler, Michaela Becker
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